Iehovah gewidmet
„Ein Gott der Wahrheit, und ohne Ungerechtigkeit, gerecht und rein ist Er.“ 5. Mose 32:4
und Jesus Christus
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Johannes 14:6
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Charles Taze Russell (1852–1916) war der Begründer der Bewegung, die seit dem Jahr 1870 unter dem Namen Bibelforscher (Bible Students) bekannt wurde, sowie der erste Präsident und Initiator der „Watch Tower Bible and Tract Society“ im Jahre 1881. Sein Wirken war von einem tiefen Interesse am Studium biblischer Prophezeiungen sowie an der logischen und chronologischen Erfassung der Heiligen Schrift geprägt. Ab 1870 begann er, unabhängige Bibelstudiengruppen zu leiten, wobei er die traditionellen Lehren über Hölle, Dreieinigkeit und Unsterblichkeit der Seele verwarf. Der Schwerpunkt lag auf der Bibel selbst und nicht auf kirchlichen Überlieferungen. Durch diese offene und vorurteilsfreie Herangehensweise wurden Tausende von Menschen in den Vereinigten Staaten und später in der ganzen Welt angezogen.
Joseph Franklin Rutherford (1869–1942) war der zweite Präsident der „Watch Tower Bible and Tract Society“ in den Jahren 1917 bis 1942 und trat nach dem Tod von Charles Taze Russell im Jahr 1916 dessen Nachfolge an. Rutherford war ein äußerst produktiver Schriftsteller und verfasste über 20 Bücher und Broschüren. Zudem initiierte er großangelegte Kampagnen zur Verbreitung der Literatur, wodurch sich die Botschaft der Wahrheit während seiner Amtszeit weltweit ausbreitete. Im Jahr 1931 wurde unter seiner Leitung der offizielle Name Zeugen Jehovas (Jehovah's Witnesses) angenommen.
Nathan H. Knorr (1905–1977) war der dritte Präsident der „Watch Tower Bible and Tract Society“ und leitete die Organisation der Zeugen Jehovas ab dem Jahr 1942. Unter seiner Führung entwickelte sich die Zeitschrift Der Wachtturm zur weltweit am weitesten verbreiteten Publikation ihrer Art.
2.1. Die Zeit bis 1928
In Anbetracht dessen, dass die „Watch Tower Bible and Tract Society“ (aus den U.S.A.) ihre Tätigkeit bereits im Jahr 1881 aufgenommen hatte, gelangte ein Teil ihrer Schriften schon vor dem Ersten Weltkrieg nach Rumänien. Dies geschah durch rumänische Pioniere, die zunächst in den Vereinigten Staaten die Wahrheit verkündigt hatten und anschließend in ihre Heimat zurückkehrten, um sie auch dort weiterzugeben und so den Grundstein für die Tätigkeit zu legen. Diese Materialien lagen in Form von Büchern, Broschüren und Zeitschriften vor, die sämtlich aus dem Englischen übersetzt wurden. Die Übersetzungen erfolgten durch ein Redaktionskomitee, das darauf achtete, dass die rumänische Fassung den Inhalt der ursprünglichen Literatur getreu wiedergab.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde im Jahr 1919 die Zeitschrift „Veghetorul Dimineții” in Rumänien eingeführt, eine monatliche Publikation, die aus dem Englischen nach den Materialien der „Watch Tower Bible and Tract Society“ aus den U.S.A. übersetzt und von den „Assoziierten Rumänischen Bibelforschern“ herausgegeben wurde. Ab dem Jahr 1920 erschienen die Lehren unter der Bezeichnung „Turnul Veghetor”, und ab Ausgabe Nummer 8 wurde die Zeitschrift unter dem Namen „Turnul de Veghere” bekannt.
Zwischen den Jahren 1920 und 1925 wurden Übersetzung, Redaktion und Veröffentlichung dieser Schriften in rumänischer Sprache in Rumänien durch die „Bibelforscher – Rumänische Zweigstelle“ in Cluj-Napoca durchgeführt. Der Druck erfolgte an mehreren Standorten, darunter die Druckereien Gutenberg S.A. in Cluj, Kosmos S.A. in Târgu Mureș sowie Adolf Sonnenfeld S.A. in Großwardein (Oradea-Mare). Ab der Ausgabe 6/1922 der Zeitschrift „Turnul de Veghere” wurden die Veröffentlichungen in der Druckerei „Viața” (Aktiengesellschaft für Verlag und Werbung) in Cluj gedruckt, die sich im Besitz des Bruders Sima befand. Die an dieser Arbeit Beteiligten kümmerten sich nicht nur um Übersetzung, Redaktion und Druck, sondern auch um die Verteilung der Literatur an Interessierte im damaligen Rumänien. Die gesamte Tätigkeit war streng organisiert, und Arbeitsberichte wurden über entsprechende Kanäle an den Hauptsitz der „Watch Tower Bible and Tract Society“ in den U.S.A. weitergeleitet.
Weitere bedeutende Veröffentlichungen, die in dieser Zeit verbreitet wurden, waren unter anderem „Die Bände I–VII”, „Das Photodrama der Schöpfung” von Pastor Russell sowie das Buch „Die Harfe Gottes” – 1923.
Zwischen den Jahren 1926 und 1928 untersagten die rumänischen Behörden öffentliche Versammlungen sowie die Veröffentlichung und Verbreitung der Watchtower-Literatur. Diese Bewegung wurde als von äußeren Einflüssen geprägt angesehen und als Infragestellung der traditionellen religiösen Strukturen wahrgenommen. Darüber hinaus beriefen sich die Behörden auf Gründe der nationalen Sicherheit, da sie über die pazifistische Haltung der Prediger, deren Verweigerung des Militärdienstes sowie deren politische Neutralität besorgt waren.
Trotz dieser Verbote erschienen um das Jahr 1927 für kurze Zeit einige Veröffentlichungen unter der zensierten Bezeichnung „Secerișul”. Diese Namensänderung diente dazu, Schwierigkeiten mit den Behörden zu vermeiden, wobei die Quelle der Inhalte weiterhin die Watchtower-Literatur blieb. Der Name der Zeitschrift wurde häufig durch die Initialen „T. de V.” (Turnul de Veghere) oder „W.T.” (Watch Tower) abgekürzt, sodass die Botschaft trotz Widerstandes, Verfolgung und Zensur seitens der Gegner weiterhin zu den nach Wahrheit Dürstenden gelangen konnte.
2.2. Die Zeit von 1929 bis 1938
Ab dem Jahr 1929 führte der aufrichtige Wunsch vieler Menschen, das Wort Gottes zu verstehen, dazu, dass die Schriften der Watchtower-Gesellschaft weiterhin nach Rumänien gelangten, diesmal jedoch auf anderen Wegen. So wurden in den Jahren 1929–1930 die Übersetzungen des „Wachtturms” der „Watch Tower Bible and Tract Society” aus den U.S.A. regelmäßig unter der geänderten Bezeichnung „Lumina Bibliei” veröffentlicht, die über Wien eintrafen und in der W.T.-Druckerei in Wien gedruckt wurden. In den Jahren 1931–1932 erschienen die Veröffentlichungen unter dem Namen „Revărsatul Zorilor”, gelangten durch den Herausgeber Harry Doughty aus Wien nach Rumänien und wurden ebenfalls dort von A. Krafzik gedruckt.
Ab dem Jahr 1932, genauer gesagt ab Ausgabe Nummer 7, erschienen die Veröffentlichungen des Wachtturms – Watchtower unter der Bezeichnung „Vestitorul Numelui lui Iehova”. Zunächst wurden diese Zeitschriften über die Zweigstelle in Bern, Schweiz, in der Druckerei M.C. Harbeck hergestellt. Ab Ausgabe Nummer 13 desselben Jahres und bis 1937 erfolgten Redaktion und Veröffentlichung in Rumänien, über die Zweigstelle in Bukarest, durch die „Bibel- und Traktatgesellschaft M.D.I.” (Zeugen Gottes Jehovas), die im Amtsblatt des Jahres 1933 anerkannt war und ihren Sitz in der Straße Crișana Nr. 33 hatte. Zwischen 1932 und 1937 wurden sämtliche Lehren in mehreren Druckereien in Bukarest gedruckt, darunter „Cartea de Aur”, „Tipografiile Române Unite S.A.” und „I. Scher”.
Weitere Veröffentlichungen dieser Zeit erschienen in Buchform, darunter: „Schöpfung” – 1931, „Reichtum” – 1936, sowie eine Reihe von Broschüren für das Predigtwerk von Haus zu Haus, wie etwa: „Armageddon” – 1937, „Offenbart” – 1937 sowie weitere Werke, die im Abschnitt Literatur verfügbar sind.
Aufgrund der gegen die Organisation ausgeübten Unterdrückung wurde die Tätigkeit der „Bibel- und Traktatgesellschaft M.D.I.” nach dem Jahr 1937 eingestellt. Dennoch erschienen im Jahr 1938 in Rumänien einige übersetzte Zeitschriften ohne Umschläge, die über die Zweigstelle in Prag, Tschechoslowakei, eingeführt und in der Druckerei R. Brezina gedruckt wurden.
Im Zuge des zunehmenden staatlichen Drucks wurde im Jahr 1938 eine königliche Diktatur eingeführt, die unter anderem zur Einstellung jeglicher als „religiöser Proselytismus” betrachteter Tätigkeit führte, einschließlich der Verbreitung von Broschüren, Zeitschriften oder anderen schriftlichen Materialien durch die Mitglieder. Im Jahr 1939 wurde die Tätigkeit der Zeugen Jehovas durch einen Beschluss des Justizministeriums ausdrücklich auf dem gesamten Gebiet Rumäniens verboten (siehe hierzu das Amtsblatt Rumäniens vom 15. Juli 1939, Seite 17).
2.3. Die Zeit von 1939 bis 1945
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, insbesondere in den Jahren 1939–1945, erschienen in Rumänien keine Veröffentlichungen mehr, die über die Zweigstelle der Watch Tower Bible and Tract Society aus den U.S.A. eingeführt wurden. In dieser Zeit wurden viele Zeugen Jehovas verhaftet und unterdrückt, da sie die Teilnahme am militärischen Konflikt entschieden verweigerten. Es schien, als werde der Widerstand von feindlichen Kräften genährt, die die Bedeutung der in jener Zeit offenbarten prophetischen Wahrheiten erahnten – Wahrheiten, die die treuen Zeugen stärken sollten, damit sie standhaft im Glauben blieben und den Prüfungen des Krieges widerstehen konnten.
2.4. Die Zeit von 1945 bis 1948
Ende des Jahres 1945 wurde der „Verlag der Vereinigung der Zeugen Jehovas in Rumänien” gegründet (siehe hierzu das Amtsblatt Rumäniens vom 28. Mai 1945, Seite 10), eine juristische moralische Person mit Sitz zunächst in Bukarest 2, Aleea Tonola, später in der Basarabia-Straße Nr. 38. Dieser Verlag nahm die Tätigkeit der Übersetzung, Redaktion und Veröffentlichung der Schriften der „Watch Tower Bible and Tract Society” aus den U.S.A. wieder auf. In dieser Zeit wurden mehrere Druckereien genutzt, darunter insbesondere „Standard Graphica – Marvan” in Bukarest sowie die „Imprimeria București”.
Obwohl diese Phase nur von kurzer Dauer war, brachte sie dennoch eine bedeutende Reihe von Lehren nach Rumänien, darunter das Buch „Die Wahrheit wird euch frei machen” – 1947, die regelmäßig erscheinenden Zeitschriften, die erneut unter der offiziellen Bezeichnung „Der Wachtturm” veröffentlicht wurden, sowie eine Reihe von Broschüren für das Predigtwerk, wie etwa: „Der Vorsatz Gottes” – 1945, „Freiheit in der neuen Welt” – 1947 sowie weitere Werke, die im Abschnitt Literatur verfügbar sind.
Nach dem Jahr 1948 wurden sämtliche Tätigkeiten der Zeugen Jehovas infolge der durch das kommunistische Regime auferlegten Einschränkungen eingestellt und für gesetzeswidrig erklärt (siehe hierzu das Amtsblatt Rumäniens vom 9. Februar 1948 – verbotene Literatur, Seiten 14 und 15).
Mit der gewaltsamen Festsetzung des kommunistischen Regimes, insbesondere seit dem Jahre 1948, wurden die Zeugen Jehovas in Rumänien offiziell verboten; das Büro in Bukarest wurde aufgelöst, und sämtliches Eigentum, einschließlich Gebäude und Literatur, wurde beschlagnahmt. Dies alles geschah, weil man sie als eine Gefahr für die neue ideologische Ordnung ansah. Als Hauptgründe wurden angeführt: die Verweigerung des Militärdienstes, die Nichtbeteiligung an der Politik, ausländische Kontakte sowie fremdsprachige Literatur.
Trotz dieser Verbote setzten die Zeugen Jehovas ihre Tätigkeit während der gesamten kommunistischen Herrschaft im Verborgenen fort. In ländlichen Gegenden fanden die Zusammenkünfte in kleinen Kreisen statt, oftmals als „gesellige Abende“ getarnt, um das rechtliche Risiko bei möglichen Razzien zu mindern. In den großen Städten trafen sich die Gläubigen reihum in den Privatwohnungen der Mitglieder, wo sie gemeinsam die Bibel und die heimlich aufbewahrte Literatur studierten.
Das Predigtwerk von Haus zu Haus, das für die Zeugen Jehovas kennzeichnend ist, wurde in dieser Zeit eingestellt und konnte nicht in organisierter Form ausgeübt werden. Stattdessen wurden biblische Lehren nur auf persönlichem Wege weitergegeben, an Nachbarn oder an vertrauenswürdige Bekannte.
Zu bestimmten Zeiten des Jahres, besonders an staatlich festgelegten Feiertagen, wurden größere Zusammenkünfte organisiert, an denen Zeugen Jehovas aus dem ganzen Land teilnahmen. Diese Versammlungen fanden in der Regel in abgelegenen Gebieten am Rande der Stadt Cluj oder an anderen festgelegten Orten statt, mitunter sogar in Wäldern oder zurückgezogenen Gegenden, um der Überwachung durch die Behörden zu entgehen.
Ziel dieser Zusammenkünfte war es, den Brüdern die Möglichkeit zu geben, die Lehren der Bibel gemeinsam zu studieren und ihren Glauben unter sicheren Bedingungen in einem möglichst unauffälligen Rahmen zu stärken. Selbst unter Verfolgung waren diese Treffen Augenblicke des Trostes und der Stärkung, bestimmt, die Einheit und die Kontinuität der Tätigkeit auch in jener unruhigen Zeit zu fördern.
Personen, die während solcher Zusammenkünfte angetroffen wurden oder an der Verbreitung bzw. am Besitz von Literatur beteiligt waren, wurden strenger Repression unterworfen. Sie wurden verhaftet, verhört und zu langen Jahren der Haft oder Zwangsarbeit in Gefängnissen und Lagern trauriger Erinnerung verurteilt, wie Aiud, Gherla oder Pitești.
Durch die Barmherzigkeit Jehovas, der uns am Leben erhalten hat, haben wir uns unmittelbar nach dem Sturz des kommunistischen Regimes wieder zusammengefunden und uns offiziell unter der Bezeichnung Vereinigung „Zeugen Jehovas“ in Rumänien, mit Sitz in Cluj-Napoca, als juristische moralische Person (A.M.I.R.) erneut registrieren lassen.
Da sich im Jahre 1990 noch einige Brüder am Leben befanden, die Mitglieder der Vereinigung „Zeugen Jehovas“ gewesen waren, welche im Jahr 1948 für gesetzeswidrig erklärt worden war, und da sie weiterhin denselben Glaubensgrundsätzen anhingen, hielten sie sich in vollem Maße für berechtigt, sich als die rechtmäßigen Fortsetzer jener Organisation zu erklären. In diesem Sinne wurde ein Antrag auf Wiederregistrierung beim Amtsgericht Cluj-Napoca eingereicht, der am 2. Februar 1990 genehmigt wurde.
Nachdem sie nach 42 Jahren des Verbots wieder legal geworden war, nahm die Vereinigung „Zeugen Jehovas“ ihre öffentliche Tätigkeit bereits im ersten Monat wieder auf und veranstaltete zwei biblische Vorträge (Kongresse) am 11. März und am 25. März 1990.
In der Folge setzte sich die Tätigkeit mit der Organisation biblischer Vorträge in den meisten Städten des Landes fort, gefolgt vom Zeugniswerk von Haus zu Haus, sei es als Teil des vor den Zusammenkünften festgelegten Programms oder unabhängig davon ausgeübt.
Neben diesem landesweiten Werk unter der Leitung der A.M.I.R. übernahm jeder Verkündiger in den Studiengruppen ein Predigt- und Zeugnisgebiet in der Nähe seines Wohnortes – eine Methode, die bis heute angewandt wird. Zur geistigen Zurüstung und Festigung der biblischen Erkenntnis nehmen die Mitglieder regelmäßig, mehrmals wöchentlich, an Studienzusammenkünften in organisierten Gruppen teil und gebrauchen dabei die Bibel und ausschließlich die ursprüngliche Literatur, die unter der Aufsicht der WatchTower-Gesellschaft bis zum Jahre 1948 veröffentlicht wurde.
Aus diesen Studien haben wir klar erkannt, dass es die Pflicht eines jeden geweihten Christen ist, von der biblischen Wahrheit Zeugnis zu geben, sowohl durch das Werk von Haus zu Haus als auch durch eine aktive Gegenwart im öffentlichen Raum.
Die Vereinigung „Zeugen Jehovas“ in Rumänien, eine juristische moralische Person, besteht aus Gott hingegebenen Personen, die seine theokratische Ordnung anerkennen und achten. Die Mitglieder der Vereinigung haben sich verbunden, um in geordneter Weise zusammenzuwirken, im Geiste der Einheit und in voller Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen, indem sie gemeinsam zur Erfüllung der von Gott in der Heiligen Schrift mitgeteilten Ziele beitragen.
Die Hauptziele, um derentwillen wir uns organisiert haben, sind:
In Anbetracht dessen hat ein Mitglied auf persönlicher Ebene folgende Lebensführung zu beachten:
Um dieses Werk zu erfüllen, vertiefen die Mitglieder ihre Erkenntnis durch regelmäßige Bibelstudien, sowohl im Rahmen der örtlichen Versammlungen als auch persönlich. Die zur geistigen Speise verwendeten Materialien umfassen die in den vorangegangenen Kapiteln genannten ursprünglichen Veröffentlichungen, die geprüft und mit dem Bibeltext verglichen werden, um ein richtiges und tiefes Verständnis der schriftgemäßen Lehren zu gewinnen.
Als Zeugen Jehovas ist es nicht unser Ziel, der ganzen Welt den Glauben aufzuzwingen, und wir betrachten es nicht als unsere Pflicht, Menschen zu bekehren. Das Hauptziel ist vielmehr, die Botschaft vom Königreich Gottes möglichst vielen Personen zu übermitteln und allen die Gelegenheit zu geben, sie zu hören. Die Aufrichtigen und Interessierten können so diese Lehre kennenlernen und bewusst wählen, ob sie ihr folgen wollen. Die Tätigkeit beruht auf der Überzeugung, dass unsere Verantwortung darin besteht zu informieren, nicht aber den Glauben mit Zwang durchzusetzen.
Als erster Leitfaden im Zeugniswerk gelten die Bibel und die dort angeführten Beispiele der Verkündigung, wie etwa in Apostelgeschichte 10:42 „Jesus hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, daß er von Gott zum Richter der Lebendigen und der Toten verordnet ist.”; und in allen übrigen Tätigkeiten werden wir ermahnt, „in seinen Fußtapfen zu wandeln” (1. Petrus 2:21).
Durch die „Watch Tower Bible and Tract Society” wurden im Jahre 1946 in rumänischer Sprache „Instrucţiuni de Organizare” – 1946 veröffentlicht, bestimmt, die Art der Organisation und die Methoden der Verkündigung des Wortes Gottes zu leiten. Auf Grund dieser Anweisungen und weiterer verfügbarer Belehrungen sind die hauptsächlichen Formen des Zeugniswerkes, deren sich die A.M.I.R. bedient, folgende:
Damit die gute Botschaft wirksam übermittelt werde, übernimmt die A.M.I.R. folgende Verantwortlichkeiten:
Allein die Zeugen Jehovas führen dieses Werk der Verkündigung des Königreiches aktiv aus, indem sie sogar große Opfer auf sich nehmen, aus dem aufrichtigen Verlangen, ihren Mitmenschen die Hoffnung ewigen Lebens mitzuteilen. Keine andere Kirche oder Konfession setzt diese Tätigkeit fort, obgleich Jesus sie von seinen treuen Nachfolgern gefordert hat. Die Literatur wird den Interessierten unentgeltlich angeboten, und das gesamte Werk wird durch freiwillige Beiträge getragen. Jedes Mitglied nimmt in einem Maße an der Verkündigung teil; die Zurüstung gründet sich auf die wöchentlichen Zusammenkünfte und auf das persönliche Bibelstudium, ohne theologischen Schulen oder Fachkursen zu folgen.
Nach der Wiederaufnahme der Tätigkeit und der offiziellen Registrierung der A.M.I.R. im Jahre 1990 war es nicht mehr möglich, die Beziehungen zur gegenwärtigen internationalen Organisation „Watch Tower Bible and Tract Society” wiederherzustellen.
Eine sorgfältige Prüfung, im Lichte der Bibel, der während der Zeit der kommunistischen Einschränkungen erschienenen Literatur (beginnend mit dem Jahr 1949) brachte schwerwiegende Abweichungen von den grundlegenden Lehren ans Licht. Der aufrichtige Geist und der Wunsch, der Wahrheit treu zu bleiben, ließen es die Brüder nicht zu, diese Veränderungen zu übersehen.
Zu den festgestellten Punkten, die von der W.T.B.T.S. übernommen wurden, zählen die offizielle Registrierung der Glaubensform als „Religion” sowie die Anerkennung der bestehenden menschlichen Autoritäten als die „Hohen Gewalten”. Weitere Einzelheiten können im Folgenden in Kapitel 11 nachgelesen werden.
In Ermangelung der Möglichkeit, die Zugehörigkeit zu einer internationalen Zentralorganisation wiederherzustellen, beschloss die A.M.I.R., sich auf die bereits vorhandenen Mittel zu stützen. So nahmen die Brüder das sorgfältige und systematische Studium der vor dem Jahre 1948 in rumänischer Sprache veröffentlichten Literatur mit Ernst wieder auf – einer Zeitspanne, die als maßgebend für die Klarheit und Genauigkeit der biblischen Lehren angesehen wird.
Auf der Grundlage der Literatur und der damals von der Watchtower-Gesellschaft übermittelten Grundsätze wurden Maßnahmen zur Neuordnung der örtlichen Tätigkeit getroffen. Man strebte eine möglichst getreue Ausrichtung an dem ursprünglichen theokratischen Funktionsmodell an, wobei der Kern der anfänglichen Anweisungen hinsichtlich Organisation, Verkündigung und des geistlichen Lebens der Versammlungen und ihrer Mitglieder bewahrt wurde.
In diesem Zusammenhang seien einige Quellen angeführt, die berücksichtigt wurden:
Informator 29. AUGUST 1947, Schreiben des Sekretärs der Zweigstelle Bern, Alfred Rutimann, an die Brüder in Rumänien:
„ Bruder Knorr schreibt mir weiter in einem Schreiben: ‚Sollten die Brüder von ihrer Mutter getrennt sein, so mögen sie eine entschiedene Haltung einnehmen, denn zu ihrer Unterweisung halten sie sich allein an die Bibel und folgen keinem Menschen, selbst wenn jener Mensch der Bibel folgen sollte.’ ”ANHANG Nr. 6 zum Wachtturm 1948, „Die Liebe des Menschen zum Menschen”, Absätze 28, 29, 30:
„… Nicht um irgendwelche Geschöpfe zu erhöhen oder aufzublähen, sondern um den rechten Weg des Handelns, besonders unter Gewalteinwirkung, zu veranschaulichen, sei es uns gestattet, ein praktisches Beispiel aus der Geschichte unseres gegenwärtigen Jahrzehnts zu betrachten. Deutschland und die von den Truppen des nationalsozialistischen Führers überfallenen Länder wurden bereits in diesen Spalten erwähnt. Nachdem der vom deutschen Volk gewählte nationalsozialistische Führer die Watch-Tower-Zweigstelle in Deutschland aufgelöst, die Literatur verbrannt und die Zeugen Jehovas in Gefängnisse und Konzentrationslager verbracht hatte, um ihre Organisation zu brechen und ihre Verbindung mit dem Hauptbüro in Amerika zu unterbinden, dienten diese Diener des Evangeliums Jehova Gott dennoch weiter, ohne Kontakt oder Verbindung mit dem Präsidenten der Gesellschaft oder mit dem Diener ihrer Zweigstelle. Ebenso aber überrannten im Osten die Kriegsverbündeten des Nazismus eine Anzahl von Ländern durch brutale Aggression. Auf den Philippinen hatte die Watch Tower Society vor dem feigen Angriff auf Pearl Harbor, Hawaii, eine Zweigstelle mit einigen dort stationierten Brüdern sowie 373 Verkündigern des Königreiches, die über viele Inseln verstreut waren. Dann sandten die japanischen Kriegsherren ihre Truppen aus, um das Land zu besetzen. Diese übernahmen rasch die Kontrolle über alles und bewirkten eine Zerstreuung unserer Brüder. Sie lösten die Organisation der Zeugen Jehovas dort auf, beschlagnahmten sie, nahmen den Zweigstellendiener fest und warfen ihn mit anderen in ein Konzentrationslager, während sie jene, die noch frei waren, zwangen, im Untergrund zu arbeiten, äußerlich nicht erkennbar, jedoch weiterhin ihren Dienst auszuführen.
Was geschah nun mit ihnen allen? Hörten sie aus Mangel an weiteren Anweisungen auf und setzten sich in Trägheit nieder, um zu sagen: ‚Wir können nicht als Diener des Evangeliums arbeiten, bis wir besondere Organisationsanweisungen und Briefe vom Präsidenten der Watch Tower Society erhalten, die uns sagen, was wir unter diesen gegenwärtig gefährlichen Umständen zu tun haben’? NEIN; sie fragten kein menschliches Geschöpf danach, was sie nunmehr zu tun hätten. Zwar waren sie über das ganze Land zerstreut und besaßen keine sichtbare Organisation, um alle Gruppen des Volkes Gottes zusammenzuhalten; sie hatten keine Zweigstelle mit einem Diener an seinem Posten; sie hatten keinerlei geheime Verbindung mit der amerikanischen Körperschaft der Watch Tower Society. Doch sie hatten das geschriebene Wort, durch welches der Herr Gott zu denen spricht, die Ohren zum Hören haben, und sie hatten Zugang zu seinem Wort, sei es, daß sie Abschriften bei sich trugen oder die Lehren und Anweisungen in ihren Herzen zum Nachsinnen bewahrten. Als der Tag des Sieges über Japan zwei Jahre später kam und daraufhin die Befreiung der Gefangenen auf den Philippinen folgte, wurde der Zweigstellendiener freigelassen und der Arbeitsmittelpunkt wieder eingerichtet. Ein Aufruf zum Dienst Gottes erging, und zwar nicht nur an eine vor dem Kriege bestehende Gruppe, sondern an durchschnittlich 1033 Verkündiger.
Während der Zeit der Zerstreuung, der Internierung und der Untergrundtätigkeit blickten jene Verkündiger aus der Vorkriegszeit direkt auf den Herrn und befragten sein Wort oder das, was sie daraus gelernt hatten. Sie hörten nicht auf, mit ihrem Munde Zeugnis gegenüber anderen in der allgemeinen Not abzulegen, sondern gingen weiter predigend voran, klug wie die Schlangen und doch unschuldig wie die Tauben. Sie gehorchten dem, was Gott ihnen durch Christus Jesus geboten hatte. Der Herr Gott segnete diesen mutigen Gehorsam gegenüber ihm und gegenüber seinem König Christus Jesus und verlieh ihnen solchen Erfolg, daß, als schließlich der Präsident der Gesellschaft an einer nationalen Versammlung in Manila in den ersten Tagen des April teilnahm, dort 2200 philippinische Brüder anwesend waren und 4200 Personen kamen, um seine öffentliche Ansprache über „Freude für alles Volk” zu hören. Heute gibt es mehr als 2700 Verkündiger des Königreiches auf den Inseln, und etwa 5000 Personen nehmen an den Bibelstudienzusammenkünften teil, die diese Zeugen Jehovas leiten. RÖMER 12:11–13.”
Die Zeugen Jehovas müssen in erster Linie an der Bibel als Quelle der Unterweisung festhalten, nicht an einer bestimmten Person oder Organisation. Selbst wenn jemand der Bibel folgt, darf die Loyalität der Zeugen Jehovas nicht diesem Menschen gelten, sondern unmittelbar dem Worte Gottes.
„Vestitorul Numelui lui Iehova”, Nr. 6 aus dem Jahre 1932, Seite 87, Absatz 20:
„ … Wenn eine Anzahl von Menschen das Eigentumsrecht als juristische Person erlangen will, so kann sie auf zweierlei Weise vorgehen: entweder wird das rechtliche Eigentum von einer oder mehreren Personen zum Schutze der ganzen Gruppe gehalten, oder aber eine Anzahl von Menschen bildet eine juristische Person oder eine Körperschaft. Letzteres ist bequemer, da eine Körperschaft als etwas von dauernder Existenz betrachtet wird und es nicht notwendig ist, die Bevollmächtigten zu wechseln …”
Die Watchtower-Gesellschaft empfahl die Registrierung der örtlichen Tätigkeit als juristische Person, nicht allein zur besseren inneren Organisation, sondern auch, um einen gesetzlichen Rahmen für das Wirken im Einklang mit der Gesetzgebung des Landes zu schaffen. Diese Rechtsform wurde von den Brüdern durch die Gründung der A.M.I.R. gewählt, mit dem Ziel, die Rechte und Interessen der Mitglieder zu schützen und zugleich einen rechtlichen Rahmen für die Ausübung der Tätigkeit, die Verwaltung des Eigentums und die Beziehungen zu den Behörden zu bieten.
Zeitschrift IONA, Teil III, 1938, Kapitel „GENOSSEN”, Absatz 20:
„ Wäre es angebracht, wenn die Ionadabe die Arbeiter der Gruppe im Haus-zu-Haus-Dienst leiten würden zu Zeiten, da der ordnungsgemäß ernannte Gruppendiener abwesend ist? Wenn sich eine Anzahl von Personen versammelt, um am Haus-zu-Haus-Dienst teilzunehmen, und der Gruppendiener fehlt und nur Ionadabe anwesend sind, die dem Herrn ergeben sind und Eifer für sein Haus zeigen, so ist es recht und angemessen, wenn aus ihrer Mitte eine Person gewählt wird, die die Leitung des Dienstes übernimmt.”
Der zitierte Abschnitt hebt einen wichtigen Grundsatz hervor, der auch der von der A.M.I.R. ausgeübten Tätigkeit zugrunde liegt: Wenn die offiziell eingesetzte Leitung nicht anwesend ist, ihr nicht gefolgt werden kann oder sie die Führung des Werkes nicht mehr sicherzustellen vermag, so ist es völlig gerechtfertigt und angemessen, daß hingegebene, eifrige und dem Willen Gottes treue Brüder – gleich den Ionadaben – die Verantwortung für die Organisation und Fortführung des Verkündigungsdienstes übernehmen.
In ähnlicher Weise empfand die A.M.I.R. nach der Unterbrechung der Beziehungen zur internationalen Zentralorganisation die Verantwortung, das begonnene Werk fortzuführen, nicht als einen Akt der Unabhängigkeit, sondern als einen Beweis der Loyalität gegenüber Gott und des Respekts vor den zuvor empfangenen Anweisungen.
Die Tatsache, daß das Werk von einfachen, jedoch hingegebenen Brüdern wieder aufgenommen und weitergeführt wurde, spiegelt den Geist wider, zu dem jener Abschnitt ermahnt: Wenn die offizielle Leitung fehlt, rechtfertigen aufrichtige Hingabe und Eifer für Gott die Übernahme der Führung, damit die Verkündigung nicht unterbrochen werde.
So gründet sich das gesamte von der A.M.I.R. ausgeübte Werk auf diesen geistigen Grundsatz: Treue Gläubige, auch wenn sie keine international anerkannte zentralisierte Struktur besitzen, haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Verkündigung der guten Botschaft fortzusetzen, im Einklang mit den reinen Lehren, die in der Vergangenheit empfangen und durch sorgfältiges Studium der Heiligen Schrift bestätigt wurden.
In den kommunistischen Ländern waren die örtlichen Organisationen der Zeugen Jehovas zu unmittelbaren Angriffszielen gemacht und in einem böswilligen Versuch aufgelöst worden, diese Zeugen des Königreiches Gottes aus dem Dasein zu tilgen; so geschah es auch in Rumänien im März 1948. Nach dem Verbot der Tätigkeit der A.M.I.R. und ihrer Außerkraftsetzung folgte für die Brüder eine Zeit schwerer Prüfungen und Bewährungen, sowohl körperlicher als auch geistiger Art. Viele Männer und Frauen wurden für 10–20 Jahre ins Gefängnis geführt, zu Unrecht angeklagt, oder mit Zwangsaufenthalt in den Bărăgan geschickt, wo sie Verfolgungen, Verhöre, Schläge und die Beschlagnahme der Literatur erlitten. In geistiger Hinsicht blieben viele treu, einige starben sogar im Gefängnis; andere jedoch, indem sie die Anweisungen der Gesellschaft missachteten, fertigten Literatur an und verbreiteten sie in Form von schablonierten Heften, ohne Nummer und ohne Verfasser.
Nachstehend führen wir die Anweisungen der Gesellschaft an, welche die Vornahme solcher Handlungen ohne ihr Wissen und ihre Kontrolle untersagten:
Informator 29. AUGUST 1947, Schreiben des Sekretärs der Zweigstelle Bern, Alfred Rutimann, an die Brüder in Rumänien:„… das Büro in Bukarest ist das einzige, welches für Literatur in Rumänien anerkannt ist; es allein versorgt die Brüder mit der Literatur der Gesellschaft. Die Gesellschaft erkennt keine anderen Lieferanten von Literatur an, und außerhalb der gegründeten Organisation, die auf Grund der Organisationsanweisungen mit ihren Gruppen und ihren Kreisdienern im ganzen Lande wirkt, sollen die Brüder von niemandem Anweisungen annehmen. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß darüber in Rumänien niemand im Zweifel ist. …”Informator 1. Mai 1947, Untertitel „Verwirrung stiftende Arbeit”:
„… aus Brooklyn fragt man uns, wie es sich erklären lasse, daß im Feldbericht viele tausend Broschüren mehr gemeldet wurden, als laut Lagerbericht als ausgegeben erscheinen, und woher die gebundenen Bücher verbreitet werden. Bei der Vorbereitung des Materials für die Gruppenkarte treten in manchen Gruppen überraschende Dinge zutage. So haben z. B. in einer Gruppe, in der 29 Verkündiger sechs Monate gearbeitet haben, 3218 Broschüren verbreitet, von denen nur 547 von der Gesellschaft genommen wurden, während 2771 Broschüren auf unbekannte Weise in die organisierte Gruppe gelangten, und die Arbeiter für selbstsüchtige Menschen arbeiteten, die im Namen Jehovas und unter den gesetzlichen Rechten der Gesellschaft den doppelten Preis der Broschüren einsteckten; und aus diesem Grunde kann die Gesellschaft keine weiteren neuen Broschüren für das Werk veröffentlichen. In dieser Gruppe besteht dieselbe Lage auch hinsichtlich der Guten Hoffnung. Drei Teile davon behielten sie für sich unter verschiedenen Benennungen, und den schwachen, hinkenden und geringen Teil sandten sie der Gesellschaft, den fetten aber behielten sie für sich. Die Diener der Gruppe sind dafür verantwortlich, daß sie solche Dinge übersehen. Wenn sie selbst solche Dinge tun, so ist die Verantwortung umso schwerer. Die Gesellschaft hat die Gruppen nicht darum organisiert, daß einige im Namen Jehovas und unter dem Schutze der Rechte der Gesellschaft für Petrus und andere für Paulus arbeiten. Wir bitten daher die Brüder, diesen Sauerteig aus den Gruppen zu entfernen, wo er vorhanden ist ….”„Cernerile secerișului”, Seite 34, 35, Untertitel „Druck und Bindung der Bücher”:
„Bücher, Broschüren, Zeitschriften und sonstige Literatur der Gesellschaft für Europa sollen nur in den oben erwähnten Anstalten hergestellt und gedruckt werden. Alle Druck- und Buchbindereibetriebe der Gesellschaft erhalten hierfür den Auftrag von der Zentrale in Brooklyn. Sämtliche Materialien, Papier, Leinwand und sonstiges Material sollen nur auf Grund eines von der Zentrale in Brooklyn genehmigten Antrags gekauft werden. Form, Umfang und Qualität aller Drucksachen und Bucheinbände werden von der Zentrale in Brooklyn festgesetzt. Die oben erwähnten europäischen Anstalten dürfen mit dem Druck der Arbeit erst dann beginnen, nachdem sie von der Zentrale in Brooklyn einen Auftrag erhalten haben, durch welchen jene Arbeit bestellt wird; und die Anweisungen sind hinsichtlich Form, Satz, usw. genau zu befolgen. Keinerlei Bücher oder sonstige Literatur sollen von irgendeiner Zweigstelle der Zentrale in Brooklyn versandt werden, außer auf Grund einer Bestellung der genannten Zentrale; ausgenommen diese stehende Bestellung: 2 Exemplare aller neuen Veröffentlichungen der Zweigstellenbüros sollen unverzüglich an die Zentrale in Brooklyn gesandt werden …”
Die schablonierten Schriften entsprachen weder in Form noch im Inhalt der ursprünglichen Literatur, die bis zum Jahre 1948 empfangen worden war. Den Interessierten stellen wir Vergleiche zwischen diesen Schriften und den Wachtturm-Veröffentlichungen der genannten Zeit zur Verfügung.
Diese schablonierten Materialien zirkulierten weiter, bis in den betreffenden Heften Illustrationen zu erscheinen begannen und ihr Inhalt sich allmählich von den als authentisch betrachteten Lehren entfernte. In Rumänien erschienen zwischen den Jahren 1968–1970 neue Zeitschriften, welche die Erklärungen über die „Hohen Gewalten” in Römer 13 sowie über Religion in wesentlicher Weise änderten und sie anders anwandten als die zuvor vorhandene Literatur, auch hinsichtlich der Zeugen Jehovas.
Diese Veränderungen veranlassten uns, die neuen Materialien im Lichte der Bibel sorgfältig zu prüfen. Als wir die offenkundigen Unterschiede zwischen den nach 1968 erschienenen Zeitschriften und den bis 1948 empfangenen erkannten, beschlossen wir, uns von denen zu trennen, die die neuen Auslegungen unterstützten.
Bei weiterer Untersuchung stellte sich heraus, dass die inhaltlichen Abänderungen bereits in den nach 1948 in Rumänien erschienenen schablonierten Heften begonnen hatten, ohne Wissen oder Kontrolle der Gesellschaft. Diese Feststellung führte dazu, dass wir uns im Jahre 1972 von denen trennten, die diese Hefte förderten, welche auch Hinweise auf die Übersetzung der „NEUEN WELT” enthielten.
Obgleich der Trennungsprozess unter verschiedenen Gruppen Diskussionen und Missverständnisse hervorrief, blieben wir, die wir der ursprünglichen Literatur bis März 1948 treu geblieben sind, weiterhin in Einheit tätig, auf nationaler Ebene, durch regelmäßige Studien und durch das Zeugniswerk.
Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes hatten wir durch Jehovas Wohlwollen die Möglichkeit, uns neu zu ordnen und als Vereinigung „Zeugen Jehovas” in Rumänien, juristische moralische Person (A.M.I.R.), erneut registrieren zu lassen.
Da sich im Jahre 1990 noch einige Mitglieder der im Jahre 1948 verbotenen Vereinigung am Leben befanden, die dieselben Glaubensgrundsätze bewahrt hatten, betrachteten wir uns als Fortsetzer derselben Vereinigung und ersuchten um Wiederregistrierung unter demselben Namen; dieses Gesuch wurde vom Amtsgericht Cluj-Napoca am 2. Februar 1990 genehmigt.
Nach dieser Wiederregistrierung organisierten sich die Personen, welche die schablonierten Hefte unterstützt hatten, gesondert unter der Bezeichnung „Asociația Credința Adevărată a Martorilor lui Iehova din România” (C.A.M.I.R.), eine Bezeichnung, die in der Literatur der Zeugen Jehovas nicht erscheint (siehe Informator, 1945).
Später wurden noch weitere Organisationen registriert, wie die Religionsorganisation der Zeugen Jehovas sowie die Christliche Vereinigung „Zeugen Jehovas”, die in ihren Grundsätzen der C.A.M.I.R. nahe stehen.
Die Vereinigung „Zeugen Jehovas”, nach 42 Jahren des Verbots wieder legal geworden, begann ihre öffentliche Tätigkeit bereits im ersten Monat, indem sie am 11. und 25. März 1990 zwei biblische Vorträge veranstaltete, denen weitere öffentliche Zusammenkünfte folgten. Die Tätigkeit setzte sich fort mit biblischen Vorträgen in den meisten Städten des Landes sowie mit dem Zeugniswerk von Haus zu Haus, das entweder vor den Vorträgen oder unabhängig davon ausgeübt wurde.
Neben der auf Ebene der A.M.I.R. organisierten Zeugnisarbeit übernahm jeder Verkündiger in den Studiengruppen ein Zeugnisgebiet in der Nähe seines Wohnortes – eine Praxis, die bis heute beibehalten wird. Zu ihrer Unterweisung studieren die Zeugen Jehovas regelmäßig, zweimal wöchentlich, die Bibel und die ursprüngliche, unter Aufsicht der Watch Tower-Gesellschaft bis 1948 herausgegebene Literatur; daraus geht klar hervor, dass die Pflicht eines geweihten Christen darin besteht, sowohl von Haus zu Haus als auch öffentlich Zeugnis zu geben:
„Vestitorul Numelui lui Iehova”, Nr. 5, 1937, „Lucru”, Seite 88, Absatz 38:„… Satan, der listige Feind, sucht jetzt jene, die begonnen haben, den Weg des Lebens zu gehen, zur Nachlässigkeit zu verleiten, abzukühlen und sich schließlich von Jehova abzuwenden. Wer meint, die Arbeit für die große Volksmenge müsse nach Harmagedon getan werden, und in dieser Meinung verharrt, steigt in großer Eile den Weg zur sicheren Vernichtung hinab. Es gibt keinen Grund, weshalb der Herr den Menschen gebieten sollte, Demut und Gerechtigkeit zu suchen, damit sie in der Zeit seines Zornes beschirmt werden, wenn sie nach Harmagedon eine bessere Gelegenheit hätten, zur großen Volksmenge zu gehören. Es ist das Recht und Vorrecht wohlgesinnter Menschen, jetzt die Wahrheit zu hören, und Gott gebietet seinen Zeugen, ihnen die Wahrheit zu bringen; eine Vernachlässigung seitens der Beauftragten, diese Arbeit zu tun, würde ihre Vernichtung bedeuten. Der Herr sagt, dass nicht nur die Brautklasse sich der Verkündigung der Botschaft des Königreiches weihen muss, sondern auch die Menschen, die die Botschaft hören, verpflichtet sind, sie anzunehmen und auch anderen zu bringen, indem sie sagen: „Kommt und nehmt das Wasser des Lebens umsonst” (OFFENBARUNG 22:17). Die wohlgesinnten Menschen, die Ionadabe, „andere Schafe des Herrn”, sind ebenfalls verpflichtet, in der jetzigen Zeit an der Verbreitung der Botschaft der Wahrheit unter anderen Menschen teilzunehmen …”„Vestitorul Numelui lui Iehova”, Nr. 11, 1937, „Îngrijirile Lui Iehova”, Teil 2, Seite 191, Absatz 30:
„… In gleicher Weise ließ der Herr Jesus Christus ein Mahl zubereiten zur Zeit des Kommens der Benjamin-Klasse; doch verging eine ziemlich lange Zeit, bis alle Teilnehmer erkannt waren und bis alle begannen, an diesem Fest teilzunehmen. Eine Zeitlang war es eine offene Frage, ob die Ionadabe oder die wohlgesinnten Menschen am Zeugniswerk von Haus zu Haus teilnehmen können oder nicht; zur bestimmten Zeit wurde ihre wahre Stellung verstanden, und man sah, dass es das Vorrecht aller dieser ist, aktiv an der Arbeit teilzunehmen. Dann kam die Zeit, da der Herr denen, die ihn lieben und ihm dienen, offenbarte, dass das Laubhüttenfest voraussagte, wie der gesalbte Überrest und die wohlgesinnten Menschen, welche die große Volksmenge bilden, gemeinsam das Fest feiern würden, und der Herr machte dies seinem Volke zum ersten Mal im Jahre 1936 bekannt, obgleich Vorbereitungen für dieses Fest schon vor jener Zeit getroffen worden waren …”Turnul de Veghere Nr. 23, 1946, Seite 16, „Cine aude să zică vino”:
OFFENBARUNG 22:17. „Die sanften anderen „Schafe” haben die Einladung Christi Jesu, welche durch den Überrest seiner „Braut”-Klasse, die noch auf Erden ist, bekanntgemacht wird. Darum ertönt für die Sanften, die hören, gleichermaßen das Gebot und die Verpflichtung, in ähnlicher Weise „KOMM!” zu sagen. Diese Verpflichtung wird ihnen vom Bräutigam auferlegt, vom großen gesalbten Prediger Jehovas, und dies ist recht, denn zur Errettung gilt der Grundsatz, dass nicht nur gehört und mit dem Herzen zur Gerechtigkeit geglaubt werden muss, sondern auch mit dem Munde vor anderen bekannt werden muss. Darum müssen die „anderen Schafe”, wenn sie zu einer einzigen „Herde” gesammelt werden, in gleicher Weise ein Bekenntnis ablegen, wie der gesalbte Überrest dazu verpflichtet ist. In dieser Hinsicht besteht kein Unterschied zwischen den geistigen Israeliten und der Klasse des „Fremdlings” dieser Nation. Aus diesem Grunde legt JOEL 2:32 Gewicht darauf, dass „jeder, der den Namen des Herrn anruft”, Befreiung und Errettung findet.”
…
Abs. 26 „Beachtet, dass die Gibeoniter nichts mit der Erwählung oder Einsetzung der Leviten zum Dienst zu tun hatten, sondern sie halfen den Leviten, die nach der Wahl des Herrn in den Dienst gestellt worden waren. Die Gibeoniter, die zu Holzhauern und Wasserträgern gemacht wurden, veranschaulichten ohne Zweifel die Diener, welche den Dienst verrichten, der ihnen von den Priestern des Herrn gegeben ist, das heißt von den Gesalbten des Hauses des Herrn. Die Gibeoniter setzten ihr Vertrauen auf Josua, dass er ihnen in der Schlacht eilends zu Hilfe kommen werde, und als sie sehr bedrängt waren, baten sie Josua, ihnen auf Zwangsmarsch zu Hilfe zu kommen, und sprachen: „Verlass deine Knechte nicht” (Josua 10:6). Dies zeigt, wie die anderen „Schafe” oder die Glieder der großen Volksmenge darauf vertrauen, dass der Herr Jesus und die gesalbten Glieder seines Leibes sie in den Kampf führen und dies zu ihrem Schutz und ihrer Hilfe tun. Sie bitten die Gesalbten, darin eifrig zu sein, und alle, die den Geist des Herrn haben, eilen zum Dienst, um den anderen „Schafen” Hilfe zu bringen. Die Gibeoniter mussten mit den Israeliten zusammen dienen; dies zeigt, dass die anderen Schafe am Dienst teilnehmen und das tun, was die Organisation des Herrn sie anweist. Einige Gibeoniter halfen später David und wurden auf wichtige Posten gesetzt. 1. Chronika 12:1–4. Daraus ist ersichtlich, dass Ismaja „aus Gibeon” über andere in der Gruppe gesetzt wurde, indem ihm eine Dienstaufgabe übertragen wurde. Dies veranschaulicht, dass die durch ihn dargestellte Klasse, nämlich die Menschen, welche die große Volksmenge bilden, in Dienststellungen in der Organisation des Herrn eingesetzt werden, obgleich sie nicht Glieder der gesalbten Organisation sind …”
Ein Teil unserer Brüder war weder mit der Registrierung der A.M.I.R. noch mit der Zeugnisarbeit einverstanden; sie entschieden sich zur Absonderung und behaupteten, diese Verantwortlichkeiten kämen ausschließlich dem Überrest zu.
In Kapitel 8 führen wir Beweise an, die zeigen, dass auch die „große Volksmenge” dieselben Dienstpflichten hinsichtlich Registrierung und Zeugnisablegung hat.
Neben der Tatsache, dass die A.M.I.R. das Evangelium des Königreiches unter Menschen verbreitet hat, die JEHOVA Gott nicht kennen, wandte sich die Organisation – schriftlich wie mündlich, durch wiederholte Einladungen – an alle, die den Namen Zeugen Jehovas tragen und die neben anderem Material auch die gesunde Literatur studieren, die bis zum Jahre 1948 veröffentlicht wurde. Zweck dieser Bemühungen war, den aufrichtigen Wunsch auszudrücken, die bestehenden Unterschiede zwischen A.M.I.R., C.A.M.I.R., A.C.M.I.R. und anderen getrennten, nicht registrierten Gruppen zu beseitigen.
Turnul de Veghere Nr. 5, 1924, Seite 72, Absätze 45–47:„… oftmals sind unter den Brüdern in Christo Streitigkeiten; sie kämpfen gegeneinander. Sie bilden in derselben Stadt getrennte Klassen, zur Unehre der Wahrheit und des Königreiches. Sie meinen, dem Herrn zu dienen, und dienen ihm doch nicht. Denn der Leib Christi ist nicht geteilt. Nehemia, indem er seine Leute unterwies, sagte zu ihnen: „Kämpfet für eure Brüder”, und er sagte nicht: „kämpfet gegen eure Brüder”. Die Kraft liegt in der Einheit des Handelns. Christen sind nur dann stark, wenn sie einer für den andern unter dem Banner des Königs kämpfen.”
Die Absicht der A.M.I.R. war – und bleibt auch weiterhin – die Wahrheit und den wirklichen Stand der Dinge darzustellen, denn alle Aufrichtigen haben das Recht, diese zu kennen, um eine entsprechende Haltung einnehmen zu können. Dieses Vorgehen bezweckt weder die Schwächung anderer Gruppierungen noch die Gewinnung neuer Anhänger, sondern die Vereinigung im freudigen Dienst für JEHOVA all jener, die sich aus dieser Quelle nähren, die theokratisch von Jehova Gott her gekommen ist.
Um zu verstehen, weshalb wir uns nicht als eine „Religion”, sondern als einen „Glauben” bezeichnen, ist es wesentlich, Ursprung und tieferen Sinn dieser Begriffe zu erfassen. Diese Betrachtung wird uns helfen, die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Vorstellungen sowie die Gründe hervorzuheben, weshalb wir uns in dieser Weise bestimmen.
Gemäß dem ursprünglichen biblischen Text haben „Religion” (lateinisch „religio”) und „Anbetung” (griechisch „threskos / threskeia”) höchst verschiedene Ursprünge und Bedeutungen. Das Wort „Religion” stammt aus dem Lateinischen religio, ein Ausdruck, den Heiden auf dem Gebiet des heutigen Italien vor Christus gebrauchten, um dämonische Praktiken und heidnische Riten zu bezeichnen. In der Darstellung von Eden erscheint Religion als ein vom Teufel erdachtes System, um die Menschheit von der wahren Beziehung zu Gott abzulenken, indem sie sich auf das Wort eines Geschöpfes stützt und nicht auf das Wort des Schöpfers. Hingegen bezeichnet der griechische Ausdruck threskeia, hergeleitet vom hebräischen darash („suchen / Gott suchen”), den Dienst oder die Darbringung an Gott, das Suchen seiner in Geist und Wahrheit, wie es die Schrift darstellt. „Es kommt aber die Stunde, und sie ist schon da, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist; und die ihn anbeten, müssen ihn anbeten im Geist und in der Wahrheit.” – Johannes 4:23, 24
So ist Religion ein menschliches System, gegründet auf Überlieferung, Formalismus und äußere Riten, ohne Gewähr einer lebendigen Beziehung zu Gott. Die wahre Anbetung dagegen ist ein geistliches Tun, das aus dem Gehorsam gegen das Wort Gottes und aus einer persönlichen Beziehung zu ihm hervorquillt, unabhängig von äußeren Formen. Nach der Bibel ist die Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit von ihm; die Religion aber, wie sie zu Anfang hervortrat, ist vom Widersacher und zielt darauf, den echten Gehorsam durch eine falsche Form der Hingabe zu ersetzen.
In vielen Bibelübersetzungen ist das griechische Wort „threskos” – welches „Anbetung” bedeutet – fälschlich mit „Religion” wiedergegeben worden. Diese Veränderung hat dazu geführt, dass Menschen die wahre Anbetung mit Religion verwechseln, die oftmals nur ein menschliches System von Traditionen und Ritualen ist.
Als Glieder der A.M.I.R. nennen wir uns, da wir diesen Unterschied kennen, einen „Glauben” und nicht eine „Religion” im heute gebräuchlichen Sinne des Wortes. Der Glaube, dem wir folgen, ist eine reine Anbetung Gottes, wie sie in der Bibel beschrieben wird – eine Beziehung, gegründet auf Gehorsam und Wahrheit, nicht auf von Menschen erdachte Riten.
*(mehr über dieses Thema findet ihr in dem Buch „Adevărul vă va face liberi” 1947, verfügbar im Abschnitt „Literatură” sowie als Audio im Abschnitt „Subiecte”)
Nach 1948 wurde die gesamte Tätigkeit der Zeugen Jehovas in Rumänien für gesetzeswidrig erklärt, und die Watchtower-Literatur wurde weder übersetzt noch veröffentlicht. Nach der Gründung der A.M.I.R. im Jahre 1990 wurde die Lage anhand der Watchtower-Schriften nach 1948 geprüft, und es wurden mehrere Abweichungen von der ursprünglichen Richtung der Lehren und grundlegenden Wahrheiten festgestellt, darunter: die Änderung des Verständnisses hinsichtlich der „Hohen Gewalten in Römer 13:1”, die Übernahme der „Religion” als Form der Anbetung sowie die Indoktrinierung der Mitglieder, sich den Schriften der W.T. ohne kritische Prüfung zu unterwerfen.
11.1 „Die Hohen Gewalten” in Römer 13:1
In der vor dem Jahre 1948 veröffentlichten Literatur wurde der in Römer 13:1 erwähnte Ausdruck „die höchsten Gewalten” dahin ausgelegt, dass er sich auf Jehova Gott und auf Jesus Christus beziehe. Zur Stützung dieser Erklärung führen wir nachstehend drei Zeitschriften an, welche dieses Thema im Einzelnen behandeln:
Lumina Bibliei, 1. Mai 1930, Nr. 5, Absatz 2:„ Die in Römer 13 enthaltene Anleitung ist lange Zeit falsch angewandt worden. Diese falsche Anwendung diente als Grundlage der falschen Lehre, dass die Könige und Regenten auf Erden ein von Gott verliehenes Recht hätten, über die Völker zu herrschen und sie zu bedrücken. ”Vestitorul numelui lui Iehova, 15. April 1933, Nr. 8, Untertitel „Stăpânirile înalte”, Absatz 28:
„ „Die hohen Gewalten” sind jene in Jehovas Organisation, denen er Vollmacht übertragen hat, in seinem Namen etwas auszuführen. Jehova und Christus Jesus sind die „hohen Gewalten”, wobei Jehova selbst die höchste Gewalt ist.“ ”Vestitorul numelui lui Iehova, Juli 1936, Nr. 7, Untertitel „Înaltele stăpâniri”, Absatz 20:
„ Der Teufel hat die religiösen Führer angetrieben, diese Schriftstelle (Römer 13:1) in Besitz zu nehmen und die Menschen glauben zu machen, die „hohen Gewalten” seien Männer, welche die amtlichen Stellungen in den Regierungen dieser Welt einnehmen; und die irdischen Herrscher waren über diese Auslegung der Schriftstelle sehr erfreut, weil die Menschen, die diese Auslegung glaubten, umso unterwürfiger ihrer Macht wurden. Die wahren Nachfolger Christi Jesu hingegen wissen sehr wohl, dass ihre Pflicht und Verpflichtung darin besteht, Gott zu dienen, und dass in allen Fällen, da von Menschen gemachte Gesetze dem Gesetz Gottes entgegenstehen, der Diener Gottes dem Gesetz Gottes zu gehorchen hat statt dem Gesetz der Menschen. (Apostelgeschichte 4:19; 5:29) ”
Wenn wir die später von der „Watch Tower Bible and Tract Society” veröffentlichte Literatur prüfen, bemerken wir eine bedeutende Veränderung in der Auslegung des Verses in Römer 13:1. In der W.T.-Ausgabe vom 15. Juni 1952 (englisch) werden die weltlichen Autoritäten ausdrücklich als Teil der in der Schriftstelle genannten „höheren Gewalten” anerkannt. Wir führen daher an:
W.T. 15. Juni 1952, Nr. 12, Seite 373, Absatz 1, in Englisch:„ Gegenwärtig stehen Christen zwei übergeordneten Kräften gegenüber. Diese Lage ist nicht neu. Die Christen des ersten Jahrhunderts nach Christus standen in derselben Lage; ebenso die Israeliten nach dem Jahr 607 v. u. Z., als sie ihre nationale Souveränität vor den nichtjüdischen Nationen verloren. In allen diesen drei Fällen ist eine der übergeordneten Kräfte eine angebliche, zeitweilige, mit geduldeter und begrenzter Überlegenheit — die der von Menschen gemachten Regierungen oder des Cäsar dieser alten Welt. Die andere übergeordnete Autorität ist die wahre göttliche Kraft, absolut und ewig — die der unbegrenzten Überlegenheit Jehovas Gottes.
In dieser Zeit … vor Harmagedon sind Jehovas Zeugen eindeutig imstande, ihr gesetzliches Verhältnis und ihre Pflichten gegenüber den beiden regierenden Autoritäten zu bestimmen, da beide den christlichen Untertanen Verpflichtungen auferlegen. Ihre gesetzliche Stellung ist unanfechtbar. ”
11.2 Die Änderung des Verständnisses des Wortes „Religion”
Im vorangehenden Kapitel wurde der Ursprung des Ausdrucks „Religion” erwähnt, ebenso die Unterscheidung zwischen Religion und der wahren Anbetung, die Gott dargebracht wird, gemäß dem im Jahre 1947 veröffentlichten Buch „Adevărul vă va face liberi”.
Eine weitere Erklärung des Wortes Religion finden wir in der Broschüre „Ocrotire” – 1936, aus welcher wir anführen:
„ Religion ist eine Art Kult, der von Geschöpfen ausgeübt wird, wobei sie eine höhere Macht anerkennen, und dessen Formalismus oder Ausübung Stütze oder „Autorität” allein in der Tradition findet. Eine solche Autorität besteht aus menschlichen Lehren, die von Generation zu Generation durch Tradition überliefert wurden. Tradition bedeutet die Übermittlung einer Erkenntnis (einer Lehre, Ausübung oder Form) oder von Anbetungsbräuchen von den Vorfahren an ihre Nachkommen. Religion, wie die Heilige Schrift zeigt, wird nicht vom Worte Gottes gestützt. ”
Nach dem Jahre 1950, als im Watchtower-Sprachgebrauch und in den Veröffentlichungen der Ausdruck „Anbetung” nach und nach durch „Religion” ersetzt wurde, traten unter den Lesern der Zeitschrift Der Wachtturm zahlreiche Fragen und Unklarheiten auf. Diese Wortänderung rief Diskussionen über den tieferen Sinn beider Begriffe und deren Folgerungen hervor.
W.T. 15. August 1951, Nr. 16, Seite 511, in Englisch:„ Warum hat die Watchtower-Gesellschaft plötzlich die Verwendung des Wortes ‚Religion’ in Bezug auf die Anbetung der Zeugen Jehovas gebilligt? P. L., New York.W.T. 1. März 1954, Nr. 5, Kap. „Reparatorii și Restauratorii Religiei Adevărate”, Seite 141, in Englisch:
…
Das Wort ‚Religion’ wird in englischen Bibeln an mehreren Stellen gebraucht. Es wird in der King-James-Version in Jakobus 1:26, 27 verwendet. Dort unterscheidet Jakobus zwischen eitler oder falscher Religion (1:26) und reiner oder wahrer Religion (1:27), und er tut dies, indem er dasselbe griechische Wort threskeia entsprechend qualifiziert. Das griechische Wort threskeia ist das Gegenstück zum lateinischen Wort religio; beide bedeuten einfach ‚Form der Anbetung’, die wahr oder falsch sein kann. Aus dem Lateinischen wurde religio ins Englische als religion übernommen.
…
Diese Auffassung über den Gebrauch des Wortes ‚Religion’ wurde nicht plötzlich von der Gesellschaft übernommen. Aufmerksame Leser der Veröffentlichungen der Gesellschaft haben bemerkt, dass in den letzten Jahren, wenn über Religion gesprochen wurde, die Veröffentlichungen darauf achteten, jede Verurteilung nur auf falsche Religion zu beschränken. ”
„ Wahre Religion ist die wahre Anbetung Jehovas. Falsche Religion umfasst alles, was der Anbetung Jehovas entgegensteht. Das Wort ‚Religion’ bedeutet in seiner einfachsten und gewöhnlichsten Form ‚eine Form oder ein System der Anbetung’.
…
Ungeachtet dessen, dass es Tausende verschiedener Religionen gibt, existiert nur eine einzige wahre Religion, und diese ist die Anbetung des höchsten Gottes, dessen Name Jehova ist. Diese wahre Religion ist jetzt für die Menschen wiederhergestellt worden. ”
11.3 Indoktrinierung der Mitglieder zur unkritischen Annahme der Schriften
In den vor dem Jahre 1948 in rumänischer Sprache verfügbaren Schriften wird wiederholt die Bedeutung einer „beröischen” Vorgehensweise beim Studium der Watchtower-Veröffentlichungen hervorgehoben. Diese Methode setzt voraus, dass die Lehren im Lichte der Bibel sorgfältig geprüft werden, da diese als einzige inspirierte und höchste Autorität gilt.
Alle Veröffentlichungen wurden als dem Worte Gottes untergeordnet dargestellt, und die Leser wurden ermuntert, sie mit der Schrift zu vergleichen, die Maßstab, Waage und letztes Kriterium der Prüfung bleiben sollte. Es wurde keine automatische Annahme der vorgetragenen Gedanken gefordert, sondern eine strenge Nachprüfung, gleich den Gläubigen in Beröa, die täglich in den Schriften forschten, ob es sich so verhielte. Ein Beispiel hierfür folgt in:
„Organizațiunea Teocratică și Corporația ei Guvernatoare”, 1948, Absatz 39:„ Wir wollen nicht meinen, dass diese leitende Körperschaft auf Erden heute eine inspirierte Körperschaft sei. Wir wollen von diesen Dienern verlangen, dass sie eng an das inspirierte Wort Gottes gebunden sind, die Angelegenheiten in Übereinstimmung mit demselben führen und auch die aus ihm geschöpfte Botschaft veröffentlichen. ”
In der englischsprachigen Literatur, insbesondere nach dem Jahre 1950, ist eine bemerkenswerte Änderung in Ton und Richtung zu erkennen. Die Watchtower-Veröffentlichungen begannen immer nachdrücklicher die Vorstellung zu fördern, dass absolute Loyalität dem „Diener” geschuldet sei, der als ausschließlicher Kanal der Verbindung mit Gott dargestellt wurde.
Diese Loyalität wurde nicht bloß als Achtung, sondern als bedingungsloser Gehorsam, völlige Unterordnung und urteilslose Annahme der von der Gesellschaft dargebotenen Auslegungen und Erklärungen bestimmt. Die Leser wurden ermahnt, die vorgetragenen Lehren nicht in Frage zu stellen; und jeder Versuch kritischer Prüfung, aufrichtige Fragen oder Widerstand gegen diese „neuen Wahrheiten” wurde als direkter Widerstand gegen Jehova selbst gedeutet.
Diese Vorgehensweise steht in tiefem Gegensatz zum „beröischen” Geist, der in den früheren Schriften gefördert wurde, wo die Gläubigen ermuntert waren, alles im Lichte der Schrift zu prüfen, sorgfältig zu forschen und sich zu vergewissern, dass die Lehren dem inspirierten Worte Gottes entsprechen. An die Stelle der biblischen Waage trat nach und nach die Autorität des „Dieners”, und persönliche Unterscheidung wurde durch religiösen Konformismus ersetzt.
W.T. 1. Februar 1952, Nr. 3, Seite 79, Absatz 11, in Englisch:„ Sind wir als einzelne beauftragt, die Speise an den geistigen Tisch zu bringen? Nein? Dann lasst uns nicht versuchen, die Aufgaben des Dieners an uns zu ziehen. Wir sollten essen, verdauen und aufnehmen, was uns vorgesetzt wird, ohne Teile der Speise zurückzuweisen, nur weil sie nicht unserem geistigen Geschmack entsprechen. Die Wahrheiten, die wir zu veröffentlichen haben, sind die durch die Organisation des treuen und verständigen Dieners bereitgestellten, nicht persönliche Meinungen, die dem widersprechen, was der Diener als Speise zur rechten Zeit dargeboten hat. ”W.T. 15. Juni 1952, Nr. 12, Seite 381, Absatz 24, in Englisch:
„ Jene frühere Zeit des Ungehorsams liegt nun hinter uns. Da wir jetzt den neuen Weg angenommen haben, lasst uns dies mit vollem Verständnis tun.
…
Geht nicht das Risiko ein, die höheren theokratischen Autoritäten durch irgendeinen Akt der Untreue zu missfallen. Das könnte bedeuten, das ewige Leben in der neuen Welt nicht zu erhalten. Es ist gut, alte Skrupel und Gewohnheiten beiseite zu legen. Die neuen Pflichten, die aus den Schriften erkennbar sind, sollen gut aufgenommen und von jedem von uns ausgeführt werden. Lasst uns motiviert sein, all unsere Energie und Mittel einer völligen Unterordnung unter die Regierung der neuen Welt zu widmen. Lasst uns alles daransetzen, damit dieser neue Weg Erfolg hat. ”
11.4 Schlussfolgerung
Als Glieder der A.M.I.R. sind wir nach einer vergleichenden Untersuchung der vor 1948 in rumänischer Sprache verfügbaren Schriften und der später von Watchtower in englischer Sprache veröffentlichten zu dem Schluss gelangt, dass eine Wiederaufnahme der Beziehungen und die Fortsetzung des Studiums der Watchtower-Literatur nach 1948 nicht mehr möglich ist. Diese Entscheidung gründet sich auf die Feststellung einer bedeutenden Veränderung in der Richtung der Lehren, auch hinsichtlich grundlegender Wahrheiten, wie auch anderer Schriften und Praktiken; so wurde beispielsweise im Jahre 1992 die „Watch Tower Bible and Tract Society” eine nichtstaatliche Organisation (NGO), die mit den Vereinten Nationen (UN) assoziiert war – eine Stellung, die im Widerspruch steht zu den in den 1930er–1940er Jahren übermittelten Lehren, in denen die Vereinten Nationen als Werkzeuge des Teufels bezeichnet wurden.
Folglich wurde beschlossen, das Studium und die Verbreitung allein der ursprünglichen Literatur, aus den offiziellen Watchtower-Quellen von vor dem Jahre 1948, beizubehalten, in der Überzeugung, dass dies mit der klaren und wahren Lehre der Heiligen Schrift in Übereinstimmung ist.
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